Die Entscheidung des Herrschinger Gemeinderats vom 24. Juni 2019, den Flächennutzungsplan für die Mühlfelder Wiese zu ändern, damit dort das neue Gymnasium gebaut werden darf, löste auch innerhalb der SPD Herrsching ein neues Aufflammen der Diskussion für und wider den vom Landkreis geplanten Neubau aus. Anlass war die heftige Kritik von Wolfgang Schief an der SPD-Fraktion im Gemeinderat, die den Antrag geschlossen unterstützt hatte. Im Mittelpunkt seiner Kritik stand die Zustimmung, dass ein Drittel der etwa 12000 Quadratmeter großen Biotopfläche für einen Hartplatz geopfert wird. Zudem brauche Herrsching keine weitere weiterführende Schule; die 80 bis 100 Millionen Euro wären in Herrschinger Kindergärten und Grundschulen oder in bestehenden Gymnasien im Landkreis besser investiert. Das „Fahrschülerdasein“ mache den Schüler*innen sogar Spaß. Für Helga Tatzl, ehemalige Gymnasiallehrerin, sei der Platz am derzeitig geplanten Standort schon jetzt zu klein. Das G9 beanspruche zwangsläufig mehr Raum als das zum Zeitpunkt der ersten Planung noch geltende G8-System. Zudem brauche man für das neue pädagogische Ganztagskonzept auch genügend Außenplätze und Biotopflächen; Hartplätze seien bei den heutigen Wärmegraden hierfür nicht geeignet. „Hühnern in Bodenhatung gewährt man mehr Platz“, so Tatzl etwas polemisch.

Für das Herrschinger SPD-Mitglied Dr. Thomas Dalibor, der bereits 2013 das so genannte „Münchner Lernhauskonzept“ in die Diskussion um das neue Gymnasium Herrsching einbrachte, das schließlich – mithilfe des renomierten Schulexperten Dr. Otto Seydel, der SPD-Kreisrätin Sissi Fuchsenberger und anderen – auch Landrat Roth überzeugte, ist nicht die Beschulungsquantität für den Standort maßgebend. Wichtig ist, dass in Herrsching mit dem „Lernhauskonzept“ ein zusätzliches, qualitativ neues Angebot geschaffen wird. Kurz gefasst, kann im Lernhaus z.B. klassenübergreifend für eine Jahrgangsstufe, oder thematisch nach Fachrichtungen gegliedert auch über mehrere Jahrgangsstufen hinweg, gearbeitet werden. Dieses Konzept muss aber bereits bei der Planung des Gebäudes berücksichtigt werden, „weswegen wir uns dann sehr früh in die Diskussion eingebracht haben“ so Dalibor. Zu seinen Motiven schreibt er: „Mir als Kind der sozialliberalen Bildungsreformen in den 70ern ist es gerade wichtig, dass wir lokal die Möglichkeiten für eine individuelle Lernentwicklung unserer Kinder ausschöpfen, die das enge Korsett der CSU-Vorgaben auf Landesebene erlaubt. Alternative wäre natürlich, untätig darauf zu warten, bis eine bayerische SPD-Regierung eine Gemeinschaftsschule einführt.“ Und weiter: “ Ich finde es nach wie vor unerträglich, beobachten zu müssen, wie stark der Schulerfolg der Kinder davon abhängt, ob die Eltern entweder selbst oder mit Geld nachhelfen – gerade hier im Landkreis.“

Der Vorstand der Herrschinger SPD ist stolz darauf, dass das von der SPD und Dr. Thomas Dalibor initiierte „Lernhausmodell“ nun am neuen Herrschinger Gymnasium umgesetzt wird, und möchte diesen Erfolg auf keinen Fall durch eine neue Standortdiskussion gefährden.

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